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Tene­rif­fa

Veröffentlicht am Veröffentlicht in Reise
Der Autor - Atlan­tik 2019-09

Tene­rif­fa - Insel für Visio­nen

Impres­sio­nen von einer Insel im Atlan­tik gegen­über Afri­ka

War ich reif für die Insel? Viel­leicht. Mich ver­schlug es aus 3 Grün­den nach → Tene­rif­fa - der Zufall bei der Suche nach einem Ort mei­ner ers­ten Aus­zeit (Erho­lungs­ur­laub) seit über 3 Jah­ren, beruf­li­che Inter­es­sen und ein schon lan­ge geheg­ter Wunsch nach einem Besuch im welt­bes­ten Tier­gar­ten (gemäß Internet-Umfrage unter Zoo-Besuchern welt­weit im Jahr 2018), dem → Loro Par­que.

Die Kana­ren­in­sel

Man sagt, nach dem son­ni­gen Tene­rif­fa (300 Son­nen­ta­ge) reis­ten frü­her die Mit­tel­eu­ro­pä­er auf der Suche nach Wär­me. Mitt­ler­wei­le sucht man hier die Abküh­lung ange­sichts von Som­mer­tem­pe­ra­tu­ren bis zu 40 Grad in Deutsch­land. Tene­rif­fa hat vom Früh­jahr bis zum Herbst im ange­neh­men Kli­ma rela­tiv gleich­blei­ben­de Tem­pe­ra­tu­ren um die 26 Grad. Es kön­nen auch mal 30 Grad wer­den. Im Win­ter ist das Kli­ma eben­falls aus­ge­gli­chen, nur etwas küh­ler. Vor der Küs­te West­afri­kas hat der Atlan­tik selbst im Janu­ar und Febru­ar noch 19° Cel­si­us Was­ser­tem­pe­ra­tur. Die Luft­feuch­tig­keit ist ange­nehm und nicht so stark, wie auf den → Azo­ren.

Ca. 4000 km Flug

Tene­rif­fa - ca. 4000 Kilo­me­ter von Frank­furt (Main) ent­fernt - ist mit einer Aus­deh­nung von etwa 83 x 54 km die größ­te der zu Spa­ni­en gehö­ren­den → Kana­ri­schen Inseln. Die Insel hat 2 Gesich­ter. Der son­ni­ge­re, wär­me­re Süden zeigt sich in einer fel­si­gen Land­schaft vul­ka­ni­scher Prä­gung vor der gran­dio­sen Natur­ku­lis­se des höchs­ten Ber­ges Spa­ni­ens, dem 3718 Meter hohen → Pico del Tei­de sowie einer bizar­ren Küsten- und Fels­land­schaft, in der vie­ler­orts Bana­nen und ande­re tro­pi­sche Früch­te ange­baut wer­den. Der Nor­den besitzt mehr einen tro­pi­schen Cha­rak­ter mit üppi­gen Kie­fern und Lor­beer­wäl­dern, sel­te­nen Pflan­zen und Wein­an­bau.

Die Insel hat aber auch noch mehr zu bie­ten. Sand­strän­de, raue Klip­pen, Steil­fel­sen, wun­der­schö­ne Wäl­der teils inmit­ten von Lava­fel­dern, eine traum­haf­te Unter­was­ser­welt und Orte zum Sport­trei­ben sowie Erho­len. Zum Teil macht sich der Mas­sen­tou­ris­mus breit. Ich bevor­zu­ge ruhi­ge abge­le­ge­ne Gegen­den fern der Zivi­li­sa­ti­on. Auch das fin­det man auf Tene­rif­fa. So wer­den ein­sa­me Fin­cas, die majes­tä­tisch über dem Oze­an thro­nen, auch als Feri­en­häu­ser für Rei­sen­de ange­bo­ten. Bei­spiel­haft kann ich da die Fin­cas der (deutsch­spra­chi­gen) sehr gast­freund­li­chen Fami­lie → Ste­mann emp­feh­len.

Foto­im­pres­sio­nen vom Atlan­tik

Ja - und mir war auch an Foto­ex­pe­ri­men­ten von die­ser Insel gegen­über Afri­ka gele­gen - so auch an neu­en Erfah­run­gen im Foto­gra­fie­ren des nächt­li­chen Ster­nen­him­mels. Ich erstell­te unzäh­li­ge Moment­auf­nah­men mit einer Voll­for­mat­ka­me­ra Sony A7 III (mit 35er Fest­brenn­wei­te Zeiss FE1.4/35 und 300er Tele­ob­jek­tiv Sony FE4.5-4.6/70-300) sowie teils mit der Kame­ra des Apple iPho­ne XS Max. Die Bil­der ent­wi­ckel­te ich mit der Soft­ware Ado­be Ligh­troom (in der Crea­ti­ve Cloud). Natür­lich - Moti­ve und Bild­kom­po­si­ti­on spie­len eine ent­schei­den­de Rol­le.

An die­ser Stel­le habe ich eine Gale­rie ange­fügt mit hoch­auf­lö­sen­den Auf­nah­men (6000px). Unzäh­li­ge Auf­nah­men nahm ich ein­fach nur zum Expe­ri­men­tie­ren vor. Übung macht den Meis­ter. Nach geschätz­ten 200 Mond- und Stern­auf­nah­men nur an einem Abend, gab es viel­leicht ein gutes Ergeb­nis, aber vor allem vie­le Erfah­run­gen. Die hier vor­ge­stell­ten Bil­der ver­mit­teln einen klei­nen Ein­druck über die Insel im Atlan­tik.

Die nächs­ten Ver­su­che für Mond- und Ster­nen­auf­nah­men wer­de ich mit dem Objek­tiv Sony SEL-200600G G Super-Telezoom Objek­tiv (200-600 mm, F5.6-6.3) und einem Tele­kon­ver­ter Sony SEL-20TC 2.0x (der das SEL-200-600 in ein SEL-400-1200 ver­wan­delt) star­ten. Ich hof­fe, mit den gewon­ne­nen Erfah­run­gen bezüg­lich Belich­tungs­zeit und Blen­de noch mehr ein­drucks­vol­le Momen­te raus­zu­ho­len. Ein Ort mit mini­mals­ter Licht­ver­schmut­zung, die u.a. eine Insel im Atlan­tik bie­tet, ist dabei emp­feh­lens­wert.

Loro Par­que - jedes Jahr mit Mil­lio­nen­pu­bli­kum

Schließ­lich besuch­te ich auch den Loro Par­que. Mein Namens­vet­ter → Wolf­gang Kiess­ling (* 1937 in Gera) grün­de­te den Park im Jahr 1994 als → Loro-Parque-Stiftung in → Puer­to de la Cruz. Der Park ist ein Erleb­nis für die gan­ze Fami­lie. Vie­le Besu­cher und Ein­hei­mi­sche gehen hier immer wie­der­keh­rend oder gar täg­lich ein und aus.

Es heißt, der Park beschäf­ti­ge mehr Bota­ni­ker als Mit­ar­bei­ter zur Tier­pfle­ge. Allein die umfas­sen­de bota­ni­sche Attrak­ti­on ist sen­sa­tio­nell und ein Erleb­nis für jede See­le. Die gesam­te Gestal­tung des Parks ist außer­ge­wöhn­lich. »Tier­gar­ten« ist wahr­lich auch die all­er­tref­fends­te Bezeich­nung für die­sen Park. Hier erfah­ren ins­be­son­de­re die Nach­zucht von bedroh­ten Tier­ar­ten (beson­ders Papa­gei­en­ar­ten) die aller­bes­ten und kon­trol­lier­ten Bedin­gun­gen zur Auf­zucht - wie in einem Kin­der­gar­ten.

Vom Aus­ster­ben geret­tet durch den Loro Par­que

Mir wur­de klar, dass es kein gewöhn­li­cher Tier­park ist. Her­aus­ra­gend und inter­na­tio­nal gewür­digt ist die Tätig­keit des Parks zur ziel­ge­rich­te­ten Art­erhal­tung bedroh­ter Tier­ar­ten. Groß­ar­ti­ge Erfol­ge erziel­te man u.a. mit der welt­weit größ­ten Papagaien-Zucht, in der bedroh­te Arten gezüch­tet und u.a. im Urwald Bra­si­li­en erfolg­reich wie­der aus­ge­wil­dert wer­den konn­ten. Es ist unglaub­lich bewe­gend, die­se Erfol­ge hier haut­nah erle­ben zu dür­fen. Durch geziel­te Aus­wil­de­rungs­ak­tio­nen trägt der Loro Par­que zur Art­erhal­tung bei. Zuletzt wur­den sechs Exem­pla­re des → Lear-Ara’s in Bra­si­li­en aus­ge­wil­dert. Auch dies wur­de mit der Ver­ga­be des o.g. Awards gewür­digt.

Ich hat­te beruf­lich bis­her mit diver­sen Max-Planck-Instituten (For­schungs­in­sti­tu­ten) zu tun, aber in ande­ren wis­sen­schaft­li­chen Spar­ten (Infrarot-, Nano-Halbleiter-Physik). Nun traf ich im Loro-Park eine Max-Planck-Forschungsstation für ver­glei­chen­de Kogni­ti­on. Hier wer­den nicht nur Vögel (Pin­gui­ne und Papa­gei­en), son­dern auch diver­se Affen und Del­phi­ne auf ihre ver­hal­tens­steu­ern­den Fähig­kei­ten bei der Ver­ar­bei­tung von Infor­ma­tio­nen, ins­be­son­de­re deren Intel­li­genz unter­sucht.

So neben­bei stellt sich mir schon die Fra­ge, wie Men­schen die Intel­li­genz von Tie­ren unter­su­chen kön­nen, wo sie doch selbst in grund­le­gen­den glo­ba­len Fra­gen so wenig Intel­li­genz (Krieg und Frie­den, Umwelt­er­hal­tung, Umgang mit Res­sour­cen, etc.) an den Tag legen. Die Wis­sen­schaft steht eben auf der Sei­te der Ver­nunft oft unge­hört von der Sei­te der Poli­tik (der Macht­sucht und Unver­nunft der poli­ti­schen Klas­se?). Ich glau­be, Wis­sen und Wis­sen­schaft soll­ten ent­schie­den mehr und wirk­sam der Mas­se der Men­schen zuge­führt wer­den - so wie es der Loro Par­que vor­nimmt. Nur dann hat die Ver­nunft eine Chan­ce.

Unver­gess­lich bleibt ein Besuch zu Mit­tag im Restau­rant des Parks - direkt am Atlan­tik. Ich war dort nament­lich ange­mel­det. Als ich mit mei­ner Ehe­frau im Restau­rant erschien, stand das Per­so­nal inklu­si­ve Chef­koch in Reih und Glied zu unse­rer Begrü­ßung da. Ver­wun­dert frag­te ich, ob wir ange­mel­det sei­en. Und ver­wun­dert reagier­te das Per­so­nal: “Sind sie Herr Wolf­gang Kiess­ling - den erwar­te man schließ­lich?” Ich konn­te nur mit “Ja” ant­wor­ten. Dann klär­te es sich auf. Man hat­te den gleich­na­mi­gen Grün­der des Lor Par­ques erwar­tet. Ich muss­te sie ent­täu­schen. Trotz­dem - in aller Höf­lich­keit wur­den wir köst­lich bewir­tet.

Über den Wol­ken
Pico del Teide - am Vulkangipfel
Pico del Tei­de - am Vul­kan­gip­fel

Gern fah­re ich mit dem Fahr­rad mal eine → Extrem­tour. Und so hat es auch der höchs­te Berg Spa­ni­ens mir ange­tan - aber ohne Fahr­rad. Mit Auto, Seil­bahn und zu Fuß gelang­te ich schließ­lich an den höchs­ten Gip­fel der Insel - dem Vul­kan Pico del Tei­de. Das Wet­ter bescher­te uns kla­re Fern­sicht. Es kann aber auch schnell pas­sie­ren, dass sich der Gip­fel in Wol­ken hüllt. An mei­nem Besuchs­tag lagen eini­ge Wol­ken­schich­ten weit unter dem Gip­fel und bil­de­ten eine wun­der­ba­re Abwechs­lung im Gesamt­pan­ora­ma.

Mit dem Fahr­zeug ging es nahe der Küs­te star­tend über unend­lich vie­le Ser­pen­ti­nen etwa eine Stun­de berg­auf. In einer Höhe von etwa 2200 Metern war End­sta­ti­on für das Fahr­zeug. Der Auf­stieg auf den 3718 Meter hohen Gip­fel begann bei Glut­hit­ze und kei­nem Lüft­chen. In die­ser Höhe kann die Tem­pe­ra­tur mal um Eini­ges höher sein, als an der Küs­te. Man soll­te viel Was­ser zu sich neh­men und sich vor der Son­nen­ein­strah­lung schüt­zen. Zwi­schen ca. 2400 und 3300 Meter Höhen­la­ge gab es “Marscher­leich­te­rung” per Seil­bahn. Den Rest bis zum obers­ten Gip­fel gelangt man nur zu Fuß und mit Son­der­ge­neh­mi­gung. Zu einem Sei­ten­aus­blick unter­halb des Vul­kan­gip­fels kann man ohne Geneh­mi­gung wan­dern.

Dem Gip­fel sag­te ich auf Wie­der­se­hen. Auf Tene­rif­fa fand ich einen deut­schen Ein­hei­mi­schen, der jähr­lich ein- bis zwei­mal den Gip­fel kom­plett zu Fuß besteigt. Gern will er mit mir bei einem nächs­ten Auf­ent­halt den Gip­fel bestei­gen. Aller­dings bedeu­tet das eine halb­jähr­li­che Vor­be­rei­tungs­pha­se - u.a. wegen der beson­de­ren Geneh­mi­gung, die der Auf­stieg auf den 3715 Meter hohen Gip­fel erfor­dert.

Auf dem Atlan­tik
Atlan­tik 2019-09

Da ich nun ein­mal am Atlan­tik war, woll­te ich auch mit den Tümm­lern eine Run­de schwim­men. Natür­lich ist das nur eine Wunsch­vor­stel­lung. Ich nutz­te aber die Chan­ce, um Del­phi­ne mit einem Boot weit drau­ßen auf dem Atlan­tik zu erle­ben. Am bes­ten ist das mög­lich zwi­schen Tene­rif­fa und der im Wes­ten ca. 35 Kilo­me­ter ent­fern­ten Insel → La Gome­ra. Beim Schwimm­tem­po der Del­fi­ne ist es äußerst schwie­rig, die Bil­der scharf zu bekom­men. Was mich aber eigent­lich erschüt­ter­te, waren die “Zeich­nun­gen” auf dem Rücken eines die­ser Tie­re. Was ist ihm Schlim­mes wider­fah­ren? Das Mus­ter deu­tet ggf. auf ein Fischer­netz.

Zu einem Stop unse­res Boo­tes konn­te ich trotz­dem etwas vom Schiff weg­schwim­men. Da pfiff mich doch ein Afri­ka­ner und Schiffs­hel­fer zurück: „Hey Deut­scher, come back!“ Ich fand es rüh­rend, wie er sich um mich sorg­te. Zu mei­ner Frau kom­men­tier­te ich das wie folgt: “Wenn sich doch die Euro­pä­er so um die ertrin­ken­den Afri­ka­ner im Mit­tel­meer küm­mern wür­den.”

Resü­mee

Man soll­te sei­ne kind­li­chen Visio­nen nie über Bord wer­fen und trotz­dem gele­gent­lich FREI von allem Bal­last der Welt nach neu­en Visio­nen suchen. Dafür gibt es kei­ne Alters­be­gren­zung. Der Atlan­tik und Tene­rif­fa sind bes­te Orte dafür. Dort leis­te ich mir die­se Frei­heit. Das geht umso mehr und erfolg­rei­cher, wenn man ein Men­schen­typ ist, der sich nie Dog­men Ande­rer ans Knie bin­den wird.

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Tene­rif­fa 2019-09 - Bild­au­tor: Wol­le Ing

Ein Gedanke zu „Tene­rif­fa

  1. Hey - Wolf­gang und Bea­te. Dan­ke für die schö­nen Rei­se­er­leb­nis­se und die beein­dru­cken­den Bil­der. Waren ja vor vie­len Jah­ren mehr­fach dort - aber die letz­te Rei­se liegt schon 14 Jah­re zurück - in der Zeit hat sich bestimmt viel ver­än­dert. Damals haben wir ja am Tete in 2200 m Höhe über 100 Thü­rin­ger Brat­würs­te gegrillt. Müs­sen wie­der mal run­ter - mal sehen, wann? Ihr wisst ja, Rent­ner haben nie­mals Zeit. Quatsch - denn wir rei­sen ja rela­tiv viel. Ursu­la und Harald

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