Liebe Reisefreunde, hier ein Auszug aus meinem Reisebericht über den Baikal. Es geht in dem Auszug um mein Treffen mit dem obersten Schamanen Sibiriens. Er lebt am Baikal.
*Kapitel 5: In der Welt des Schamanen
Vermittler zwischen den WeltenDie Menschen in der Baikal-Region sind oft religiös geprägt. Religionen existieren friedlich miteinander und teils vermischt. Das Christentum (u. a. Russisch-Orthodoxe, Altgläubige), der Buddhismus und das Schamanentum sind hier verankert.Die Russisch-Orthodoxe Kirche hat sich überwiegend bis zum westlichen Baikal ausgebreitet. Die südöstliche Seite des Baikal ist vorrangig buddhistisch geprägt. Rund um das Meer und auf der Insel Olchon ist ebenfalls der uralte Schamanismus präsent. Weitere Glaubensrichtungen, so der Islam, sind auch anzutreffen.Die Religionen scheinen am Meer verschmolzen. Der Baikal selbst gilt als Vermittler zwischen den Glaubenswelten. Mancherorts werden religiöse Stätten, wie Kirchen zur Ausübung religiöser Zeremonien von diversen Religionen abwechselnd oder gleichzeitig genutzt. Man erlebt beeindruckend das Zusammenleben verschiedenster religiöser Konfessionen. Bei vielen Menschen befinden sich zu Hause einträglich nebeneinander das Kruzifix neben einem Buddha und auch Reliquien des Schamanismus. Dieses friedliche und tolerante Nebeneinander der Konfessionen ist auf der Welt beispielhaft.Der Schamanismus spielt eine ganz besondere Rolle. Er ist der ursprünglich überlieferte Glaube von Urvölkern auf der ganzen Welt. Dieser Glaube, seine Überzeugungen, Traditionen, Möglichkeiten und Riten überliefern sich seit Jahrtausenden von Generation zu Generation am heiligen Meer.
Der Schamanenfelsen am Kap BurchanAm Rande der Hauptsiedlung der Insel - dem Ort Chuschir - liegt einsam ein imposanter, zweigeteilter Kalksteinfelsen, der weit in den See hinausragt. Der Felsen am Kap Burchan (burjatisch für “Gott” bzw. “Buddha”) ist bekannt als der Schamanenfelsen. Das ganze Kap wird im Russischen liebevoll als “Schamanka” bezeichnet. Der Schamanenfelsen ist das Wahrzeichen Olchons.Der heilige Schamanenfelsen (russisch: Cкала Шаманка, Skala Schamanka, im Englischen auch: Cap Burkhan oder Chamanka Rock) ist die heiligste Stätte der Burjaten. Das Heiligtum ist Zentrum des burjatisch-mongolischen Schamanismus, aber auch Pilgerziel von Schamanen aus der ganzen Welt. Er ist schlichtweg gesagt das Symbol des Baikalsees. Seit Menschengedenken schon findet er als heiligster Ort der Schamanen Verehrung.Es wird überliefert, dass die Höhle im Schamanenfelsen der irdische Wohnsitz des Chan Chute-Baabai war, des mächtigsten aller Geister, des obersten Herrschers aller Schamanen. Frauen und Kindern war das Besteigen des Felsens untersagt. Sie könnten den heiligen Platz entweihen. Das Verbot zum Betreten wird bis heute von einheimischen Frauen und Kindern respektiert.Der Felsen gilt als Ruhestätte der höchsten Burchanen. Ja - was sind Burchanen? Sie finden sich in alten Mythologien wieder. Dort werden sie als wunderlich erscheinende Wesen beschrieben. Die ursprünglichen Menschen erlangten eine gewisse Göttlichkeit durch Seelenwanderung und ganz besondere Fähigkeiten. Es soll gute und böse Burchanen geben. In der Felsenspitze des Schamanka soll ein böser Geist wohnen. Gelegentlich werden auf der Erde solche Götter wiedergeboren, wie zum Beispiel der Dalai Lama.An dem heiligen Ort sollte man sich also absolut ruhig, respektvoll verhalten und an nichts Schlechtes denken. Früher umwickelte man sogar die Hufe von Pferden, um die Geister nicht zu stören. Es ist auch verpönt, von hier einen Stein wegzunehmen. Der Schamane würde den Plünderer Nacht für Nacht aufsuchen, bis der Stein wieder an seinem ursprünglichen Ort wäre. Viele Märchen und Legenden ranken sich um den Felsen. Der Felsen selbst belegt auch, dass hier schon zur Bronzezeit Opferrituale stattfanden.Am Schamanka sollte man in sich selbst ausschließlich positive Gedanken mitbringen und schweifen lassen.In würdigem Abstand zum Felsen stehen weit gefächert in einer Reihe Opferpfähle. An den scheinbar bunt geschmückten Pfählen können Besucher mit ihren Gaben die Geister gütig stimmen. Es sind Stätten des Gedenkens, des Opferns, der Grenze zur irdischen Ebene und sichtbare Zeichen dafür, ab hier nur in Ehrfurcht und positiv gesinnt den Ort zu betreten.Unser Basis-Camp in Chuschir lag nur ungefähr 150 Meter vom zauberhaften Schamanka entfernt. Ein Spaziergang zum Kap Burchan gehörte so mehrmals zu unseren Gepflogenheiten. Wir gingen ehrfurchtsvoll und in positiven Gedanken versunken durch diese Stätte. So taten wir nicht nur uns selbst was Gutes. Wir ehrten damit auch die würdevolle Geschichte dieses Ortes, seines Glaubens an Vielfalt und an seine Geister.
Seelenbegleiter und MittlerIm Folgenden möchte ich Einiges über den Schamanismus berichten - so, wie es uns ein bekannter Schamane selbst weitergab. Es sind Dinge, die nicht unbedingt meiner eigenen Welt entsprechen, die ich aber im Sinne der Vielfalt außerordentlich erlebens-, achtens- und überlegenswert finde.Der Schamanismus sieht sich als Ursprung aller Religionen, aber nicht als einzig legitimer Vertreter des Glaubens, so wie es monotheistische Weltreligionen lehren. Dieser Glaube ist schon im Ursprung tolerant. Als das höchste zu verehrende Wesen stellt es keinen Gott auf die oberste Stufe. Der Glaube der Urvölker dieser Welt konzentriert sich auf die Erde, auf das Wesentliche, auf das Gegebene, auf die Dinge, die uns das Leben geben. Diese Dinge sind dann nun mal so einfach zu benennen, wie die Erde, die Atmosphäre, die Berge, das Feuer, das Wasser, der Baikalsee, der Himmel, die Tiere, die Pflanzen, unsere Eltern und - um es nochmal zu sagen - die Vielfalt des Lebens.Genau das - die hohe Akzeptanz der Vielfalt - macht den Schamanismus so sympathisch. Vertreter des schamanischen Glaubens - die Schamanen - sind oft über viele Generationen durch gemeinsame, ganz bestimmte körperliche oder auch andere Merkmale geprägt. Schamanen sind anerkannte Heiler, Hellseher und Vermittler zwischen den Sphären. Trotzdem werden sie es nicht automatisch. Man wird vom Volk als Schamane auserwählt und muss sich in abschließender, wohl sehr anstrengender Zeremonie in Trance als Schamane beweisen.Der Schamane ist ein “Wissender”. Er ist eine Person, die auf eigenen Entschluss mittels bestimmter Rituale, wie dem Trommeln, in einen anderen Bewusstseinszustand eintritt. Dort ist es sein Bestreben, mit einer verborgenen Wirklichkeit in Kontakt zu kommen. Möglich ist das, weil der Schamanismus an die Teilung des Universums in drei übereinanderliegende Ebenen bzw. Welten glaubt - die Unterwelt, Welt der Toten - die mittlere, irdische, unsere lebendige Welt - und die obere himmlische Welt, Welt der Geister.
Schamanen sind Mittler zwischen diesen Welten. Dabei spielt der Weltenbaum eine Rolle, der alle drei Ebenen durchdringt. Schamanen können im Zustand der Trance in angrenzende Welten reisen. Dadurch können sie die Seelen Verstorbener in die Unterwelt geleiten oder auch als Heilpraktiker in Erscheinung treten. Sie können so auch Verbindungen herstellen von Lebenden zu Zuständen in anderen Welten. Ja - mittels der Sicht in andere Sphären, zu dem Gewesenen, zu dem Sein, zu dem Bewusstsein und zu dem Überirdischen können sie auch in die Zukunft sehen.
Ein angehender Schamane muss noch mehr lernen, als sich in andere Ebenen zu bewegen. Im Besonderen lernt sie oder er auch den Umgang mit Mensch, Tier und Natur, so auch die Kräuterkunde. Sie oder er wird lernen, Geduld zu haben, nie etwas unter Zeitdruck zu unternehmen. Und man wird Fähigkeiten entwickeln, genau auf das Feedback und Synergieeffekte seiner Umgebung zu achten, sich seiner Wirkung und seiner eigenen Gefühle bewusst zu werden. Der Schamane scheint die Wirkweise des Bewusstseins zu verstehen, um unentdeckte Ressourcen zu aktivieren, um zu leistungsfähigeren Ebenen unseres Seins vorzustoßen.
Rings um das Heilige Meer gibt es viele ausgesuchte Orte für die Rituale der Schamanen. Einer von ihnen ist das Kap Schamanka - mitten auf dem Meer. Nur Schamanen sei es hier gestattet, den Felsen zu rituellen Zwecken zu besteigen. Chinesische Touristen halten sich nicht immer daran. Im Felsen selbst sind Höhlen - auch zwei verbundene -, die es dem Schamanen erlauben, bei Ritualen schnell und überraschend zu erscheinen oder wieder zu verschwinden.
Valentin, der moderne Schamane
Ein berühmter Vertreter des Schamanismus ist der Schamane Valentin Wladimirowitsch Hagdaev. Er ist bereits in 19. Generation Schamane und auf der ganzen Welt bekannt. Ein gegabelter Daumen der rechten Hand war das Zeichen aller seiner Vorgänger. Valentin wurde ebenfalls mit diesem schamanischen Label geboren.
Wie wurde der Burjate Valentin ein Schamane? Im Alter von sechs Jahren ging er eines Abends schlafen. Er konnte am folgenden Morgen nicht aufwachen. Seine Eltern brachten ihn ins Krankenhaus. Der kleine Valentin sah in der scheinbaren Bewusstlosigkeit eine andere Welt. Sie war vielfarbig. Als er eine Chance hatte, dort seine Fragen zu klären, kam er in seinen Körper zurück. Dabei spürte er, dass unsere Welt voller Leiden war. Er spürte auch, dass in der anderen Welt Alles einfacher war.
Später hatte er eine Begegnung mit einem schwarzen Pferd, einem uralten Stammestier, das auch einen Bezug zu einem früheren Schamanen hatte. Und - da war noch das weitere Zeichen der sechs Finger an seiner rechten Hand - der Hand, mit der man Opfergaben bereitet. Valentin weigerte sich zunächst, ein Schamane zu sein, akzeptierte es aber mehr und mehr. So begann er sein Lernen und seinen Weg als Schamane.
Zuerst aber war Valentin ein geborener Sowjetbürger mit vielen Talenten - geboren in einem riesen Land, das in den 60gern zu den modernsten Nationen der Welt aufzustreben begann. Der erste Mensch - der Russe Juri Gagarin - flog in dieser Zeit in den Kosmos. Valentin, der junge Burjate, wurde Komsomolze, Panzersoldat, Dreher, Lehrer, Buchautor und Ethnologe. Er studierte am staatlichen ostsibirischen Kulturinstitut. Heute leitet er das regionale Kulturzentrum. Und - er wurde Schamane - aus Berufung.
Die Schamanen-Schule Valentins war sein Großvater. Dieser war bereits zu Zarenzeiten gleichfalls ein berühmter Schamane. Valentins Vater brach aus dieser Linie aus. Er war Kommunist - was Valentin nicht verächtlich meinte. Die Zeiten waren so. Der Schamane Valentin setzt schließlich die wichtige Tradition fort. An vielen Orten führt er traditionelle Rituale durch. Er hält auch Vorträge über die Kultur der Burjaten-Mongolen und dem Schamanismus.
Methoden der traditionellen Medizin beherrscht er genauso, wie die mongolische Astrologie “Zurhay”. Über die Welt des Schamanismus schrieb er wissenschaftliche Arbeiten und Gedichte. Er reiste um die Welt, um seinen Glauben und seine Erfahrungen zu vermitteln. So war er schon zu Vorträgen an Universitäten in der Schweiz und in Deutschland.
Der 57jährige Valentin ist wohl ein moderner Schamane.
Eigentlich ist er das beste Beispiel für eine gelungene Symbiose aus Urreligion und moderner Wissenschaft. Könnte er Vertreter einer universellen Quantenreligio sein? Nein, sein Motto ist die Vielfalt. Er kommuniziert mit der Welt nicht nur im Gespräch oder spirituell. Internet, Email und soziale Medien sind ihm ebenfalls vertraut.
Begegnung mit den Geistern
Nun - nach fast einem ganzen Leben auf der Suche nach dem Schamanen war ich am Ziel - am Kap Schamanka des Heiligen Baikal. Hier erwartete mich der Schamane. Wir hatten ein Treffen mit ihm vereinbaren können. Das war der langen Freundschaft Ljudmilas mit dem Schamanen zu verdanken. Unsere Reiseführerin wies uns extra darauf hin, dass es am Kap Burchan streng verboten ist, laut zu sein, negativ eingestellt zu sein, zu fluchen, zu kämpfen oder Müll zu hinterlassen. Ein kleines Motorflugzeug, das dann in geringer Höhe über uns kreiste, schien das nicht zu interessieren.
Und da war er - der Schamane Valentin. Ich schätzte ihn auf mein Alter - Mitte 50. Irgendwie kam er mir sofort vertraut vor. Waren wir uns schon begegnet? Ganz irdisch gab er jedem von uns freundlich zur Begrüßung die Hand.
Gekleidet war er in traditioneller burjatischer Tracht gemäß seiner Stellung, aber auch in der Art, die seine Verbundenheit zu den Geistern demonstrierte. Sein blaues Ritualkostüm glänzte in der Sonne. Mystisch anmutende Gegenstände, wie Räucherwerkzeug, Trommel, Wurfknochen, lose Pergamentstücke und diverse Behältnisse nutzte und erklärte uns Valentin während der Zeremonie.
Wir befanden uns nahe des Schamanenfelsens hoch über der Schamanka. Der Schamane berichtete uns vom Baikal, von den Menschen und von den Traditionen des Schamanentums. Zwischen Himmel und Erde begegneten wir den Geistern.
Mit Ehrfurcht saßen wir Reisende nun in der Einsamkeit barfüßig im Kreis um Valentin herum. Einige unter uns konnten im gleißenden Sonnenlicht ihre dunklen Sonnenbrillen nicht absetzen. Ich empfehle, Brillen abzusetzen. Einer achtbaren Person begegnet man im Vertrauen Auge in Auge.
Zeremonie zwischen Trance und Tradition
Um sich in Trance zu versetzen und damit in andere Ebenen der Ahnen und Geister vorzustoßen, fing der Schamane an, gleichmäßig zu trommeln. Danach platzierte er eine Schale im Mittelpunkt des Kreises und brannte Stäbchen in alle 4 Windrichtungen ab.
Schließlich begann er zu erzählen. Wir lauschten im Schneidersitz seinem Vortrag. Wir sahen von Weitem wohl aus wie Kinder, die zur Märchen erzählenden Großmutter aufschauten. Lange währte sein Vortrag. Das Gehörte war mir wichtiger, als die Schmerzen in den am Boden verschränkten Beinen. Jede Sekunde sog ich Valentins Gedanken förmlich in mich hinein.
Tief sah er während seines Berichts abwechselnd in die Ferne und Denen unter uns in die Augen, die keine Sonnenbrille trugen. Jede Ausführung begleitete er mit ausdrucksstarken Gesten. Weit holte er mit seinen Armen aus, um seine tiefsinnigen Aussagen zu unterstreichen. Stolz hielt er seinen Kopf erhoben. Bei Worten des Gedenkens senkte sich sein Blick in die Tiefe und bei verehrenden Ausführungen über die Götter in den Himmel.
Valentin sprach zu uns unter anderem folgende Worte: “Wir respektieren unsere Geschichte, Kultur, Traditionen und Bräuche. Wir verehren das heilige Feuer, unsere großen Vorfahren und die Götter des Himmels, der Erde, der Sonne und des Mondes. Betet zu den Schöpfern des Universums und der Mutter Natur. Wir predigen das Leben in Harmonie mit sich selbst, der Natur und der Vielfalt.”
Mit Stolz sprach er auch von einem Fest der Schamanen, in dem er jährlich die berühmtesten Vertreter des Schamanismus am Schamanenfelsen versammelt. Das Fest findet in jedem Jahr Ende Juli statt. Die Schamanen kommen überwiegend aus dem mongolisch-burjatischen Raum, aus Ulan-Ude, aus der Altai-Region und aus der Mongolei. Sie kommen auch aus ganz Asien und gelegentlich von anderen Urvölkern der Welt, so aus Australien und Nordamerika.
Die Schamanen führen zum Fest an der Schamanka lange Rituale durch. Unermüdlich schlagen sie auf Trommeln und vollführen Tänze. Sie besprühen auch Steine mit Tarasun (Nationalgetränk aus Milchwodka) und binden bunte Stofffetzen der Verstorbenen an Pfähle und Bäume. Es gibt auch einen Austausch über Traditionen und aktuelle Dinge in der Welt.
Zum Ende der Zeremonie vollführte Valentin mit unserer Gruppe einen rituellen Tanz. Der Schamane erklärte vorher die Bedeutung. Vereint könnten wir so in der Gruppe Energie der universellen Art, die uns umgibt, in uns aufnehmen. Die Runde der Gruppe würde zu einem Gefäß für diese Energie. Wenn der Kreis geschlossen ist, beginnt der Tanz. Bei dem Ritual ginge es zunächst um die Reinigung und Läuterung. Schließlich käme es zur Vereinigung mit dem Göttlichen, zur Verwandlung und Energieaufnahme. Eine junge Russin hörte entfernt interessiert zu und gesellte sich dann zu uns.
Auge in Auge mit dem Schamanen
Den weit über das Land verehrten und legendären Schamanen konnte ich nach seiner Zeremonie ganz persönlich unter vier Augen kennen lernen. Ljudmila, unsere Reiseführerin, hatte ihm schon vor unserem Zusammentreffen Einiges von mir erzählt. Während des Vortrages schien er aber noch mehr über mich tief in meinen Augen gelesen zu haben - bis in meine letzten Gedankengänge hinein. Ich spürte es, hatte aber auch keinen Drang, mich dagegen zu wehren.
Ich hatte das Gefühl, dass er meine immerwährenden Qualen aufgrund gewisser Erfahrungen genauso tief in sich selbst spürte. Er gab mir mit seinem Geist und seinen Erwiderungen so viel Kraft und Energie, das zu bewältigen. Wir sprachen über Gott, Geister und die Welt. Als eines der höchsten Dinge auf der Welt schätzt er die Vielfalt - auch die Vielfalt an Religionen. Er sprach zu mir: “Ohne die Vielfalt wäre die Welt ein Nichts.”
Weiterhin sprach er davon, dass das höchste Wesen auf der Welt im Glauben des Schamanismus nicht ein Geist oder ein Gott sei. Das höchste zu verehrende Wesen sind die Eltern. Ohne sie würde es uns nicht geben. So trägt Valentin auch immer ein Amulett bei sich mit den Bildern von Vater und Mutter.
Wie die Zukunft aussieht? Er konnte mir dazu Einiges sagen - auch zu meiner eigenen. Es sind aber Dinge, die für Menschen Handeln erfordern, weil sie nicht im Selbstlauf passieren. Um glücklich zu sein, sei wichtig für Jeden, keinen Platz für Hass zuzulassen.
Er sah in mir die Veranlagung zum Handeln. Warum? Auch ich habe wohl einige äußerliche Merkmale, wie er mir versicherte - aber nicht die eines Schamanen, sondern eines …. Das zuletzt Gesagte bleibt bei mir.
Und - wir sprachen über mehr. Ich selbst muss über Valentins Worte wohl noch lange nachdenken. Eins aber weiß ich mit Gewissheit - bei der Russischen Seele und dem Heiligen Baikal: “Ich will noch Einiges, aber keine Macht.”
Auge in Auge unterhielten wir uns, wie unter Freunden. Die Zukunft liegt in unseren Händen. Ja - wir unterhielten uns über Vieles - auch über sein und mein Land, über unsere Geschichte, Gegenwart und Zukunft. Sein größter Wunsch sei es, dass sich die beiden Länder - Russland und Deutschland - wieder besser verstehen, so wie es im besten Sinne in den vergangenen Jahrhunderten der Fall bzw. Tradition war. So wie die beiden Länder auch schon bis vor wenigen Jahren auf dem allerbesten Weg waren.
Er wünsche sich, dass die Regierungen wieder aufeinander zu gehen. Er wünsche sich, dass wir zurück in Deutschland über Russland, den Baikal und seine Menschen berichten, wo es nur geht. Er wünsche sich, dass wir positive Botschaften im Sinne des Friedens zwischen beiden Nationen den Oberen zutragen. Er wünsche sich, dass ich meine vielen Erfahrungen niederschreibe. Gewaltfantasien von Extremisten dieser Welt sind zerstörende Werkzeuge. Frieden und Achtung vor dem Leben seien das Wichtigste auf Erden. Da waren wir uns ebenso einig.
Um diese Anliegen zu untermauern, reichte mir der große Schamane eine Friedenspfeife. Als überzeugter nichtrauchender, ehemaliger Raucher nahm ich es tapfer auf mich und rauchte mit ihm die Pfeife. Hoffentlich kein Rückfall, dachte ich so bei mir. Die Pfeife hatte Valentin vor Jahren von einem nordamerikanischen Schamanen der Indianer geschenkt bekommen.
Danke - es war mir eine Ehre.
Спасибо! Для меня это было почестью.
Dieser Weg am Baikal und der Schamane waren und bleiben eine Inspirationsquelle - natürlich nur, wenn ich ihr offen begegne. Auf diese Art kann dann Jeder auch seine eigenen Grenzen überwinden.
Am Ende unseres Gesprächs umarmte mich der Schamane innig. Ich erwiderte und versprach ihm, seinem Anliegen in Deutschland nachzukommen, über Russland zu berichten und im Rahmen meiner Möglichkeiten etwas für den Frieden zu tun. Steter Tropfen höhlt den Stein. Wie zwei zutiefst verbundene Brüder verabschiedeten wir uns - nur nicht für immer.
Gutes Buch, gut lesbare Texte, wunderschöne Fotos. Sehr empfehlenswert! Mit viel intimer Kenntnis des Landes und der Region geschrieben. Darf vergleichen. Kenne den Baikal aus eigenem Erleben, habe drei Jahre in Sibirien gearbeitet. Insoweit wurden eigene Erinnerungen lebendig. Empfehle ferner, wie der Autor, eine geführte Tour z.B. mit Biss-Reisen, vor Ort muss man Russisch können. Mehr eigene Informationen gern bei Gelegenheit: s. https://www.hamburg-by-rickshaw.de/ oder https://www.elb-plaza-philharmonie.guide/angebot/.
Gut gemacht, gefällt mir sehr. Leider konnten wir ja aus bekannten Gründen - besonders gesundheitlich bedingt - nicht teilnehmen. Als wir im Buch über die Eindrücke vom Baikal Einiges erfahren konnten, sahen wir, das die Tour nicht so anstrengend war, wie von uns vorher vermutet. Da habe ich mich und das tue ich heute noch viel mehr, richtig geärgert, es trotz gesundheitlicher Bedenken nicht doch gewagt zu haben.
Ursula und Harald
Wir haben die uns überreichte Leseprobe aus Ihrem Buch gelesen. Es gefällt uns, klar geschrieben und mit interessanten Hintergründen angereichert. Vielen Dank für Ihr Vertrauen. Es wäre toll, wenn Sie uns eine kurze Nachricht senden könnten, sobald Ihr Buch veröffentlicht ist. Wir sind schon gespannt auf den vollständigen Reisebericht.
Herzliche Grüße von uns
Jessika Paulus