Tinnitus-Outing

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Das Geheim­nis des Tin­ni­tus

Kolum­ne “Port Woling” 2015-10

Müs­sen wir das Geheim­nis des Tin­ni­tus ver­ste­hen? Wie­der ein­mal ver­such­te heu­te ein TV-Reporter in einem Maga­zin die­ses Lei­den zu erklä­ren. Erschüt­ternd, wel­ch fal­sche Tat­sa­chen und Hoff­nun­gen er ver­brei­te­te. Kaum ver­wun­der­li­ch, wie wenig das Pro­blem, die­se tra­gi­sche Krank­heit und Fol­gen Beach­tung fin­det.

Im Gegen­zug erin­ne­re ich mich an ein Tinnitus-Outing eines Betrof­fe­nen.

Freun­de, schlagt nicht gleich das Buch zu – viel­leicht wollt ihr einen Betrof­fe­nen und sei­ne ganz beson­de­ren Fähig­kei­ten ver­ste­hen ler­nen. Ich will es als leich­te Kost ser­vie­ren – wie er es woll­te.

Hier sein Outing über eine der geheim­nis­volls­ten Krank­hei­ten und sei­ne Fol­gen.


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International Symbol for Deafness
Tin­ni­tus - Bild­au­tor: Sta­te of Rho­de Island
Hal­lo Welt – hier sein Outing
Ein Betrof­fe­ner ...

... oute­te sich mir und der Welt gegen­über. Nicht nur Fuß­bal­ler outen sich. Jetzt sind auch Inha­ber diver­ser Krank­hei­ten dran.

Er dräng­te mich – er wol­le sich jetzt und hier outen!

Das soll er auch – wur­de ihm kürz­li­ch auf einer eigent­li­ch ver­geb­li­chen Reha­bi­li­ta­ti­on in einer Tinnitus-Fachklinik gelehrt.

Er begann sto­ckend sei­ne Beich­te. Er sei in Fol­ge sei­nes hoch­gra­di­gen, per­ma­nen­ten Tin­ni­tus Auri­um …

1. ein Hei­li­ger
2. ein Klon
3. eine Tinnitus-Persönlichkeit.

So – nun ist es raus. Ich begin­ne, ihn nur lang­sam zu ver­ste­hen. Nach­fol­gen­de Erzäh­lung macht mir Vie­les kla­rer. Er bit­tet um Ent­schul­di­gung, dass er 31 Jah­re dafür gebraucht hat, über sei­ne der chro­ni­schen, audi­tiven Wahr­neh­mung geschul­de­ten spe­zi­el­len Ver­an­la­gun­gen zu berich­ten.

Etwa drei Mil­lio­nen Deut­sche sind von die­ser Krank­heit betrof­fen. Von die­sen Betrof­fe­nen besit­zen wie­der­um 1 % die beson­ders per­fi­den Folge-Eigenschaften der aller­schwers­ten, chro­ni­schen Form. Er gehört zu den Letz­te­ren.

Jetzt erst mal aus­at­men – er hat es gesagt – end­li­ch! Man sieht sei­ne Erleich­te­rung. Aber – wie sieht man ihn jetzt noch? Tickt der noch nor­mal? Schaut bit­te erst mal wei­ter.

Was ist das Beson­de­re die­ser nicht all­zu nor­ma­len Ver­an­la­gun­gen?

Er war jetzt – nach über 30 Jah­ren täg­li­chen, bewuss­ten Lei­dens­druck – erst­ma­lig auf medi­zi­ni­scher Reha­bi­li­ta­ti­on. Da wur­de ihm eine Men­ge kla­rer.

Die ver­kann­te Krank­heit

Hier die grau­sa­me Wahr­heit.

Tin­ni­tus ist per­ma­nen­ter Lärm­ter­ror!

Bei dem Ver­su­ch einer Erklä­rung – hier zuer­st das Schlimms­te für Betrof­fe­ne. Fach­ärz­te spre­chen bei chro­ni­schem, hoch­gra­di­gem Tin­ni­tus ganz klar von einer Krank­heit – der Gesetz­ge­ber aber nicht. Für den Gesetz­ge­ber ist es NUR ein Sym­ptom bzw. Fol­ge von Schwer­hö­rig­keit. Was für ein ver­ach­ten­der Schwach­sinn – weiß jeder Betrof­fe­ne. Was für eine Aus­gren­zung von Erkrank­ten, was für ein Dis­kri­mi­nie­rung bzw. In-die-Ecke-stellen.

Schwer­hö­rig­keit ist höchs­tens eine Fol­ge lang­jäh­ri­gen Tin­ni­tus. Die Krank­heit geht bei den meis­ten Betrof­fe­nen in der Fol­ge gleich­zei­tig ein­her mit einer Schwer­hö­rig­keit im glei­chen Fre­quenz­be­reich, aber mit­un­ter auch Gleich­ge­wichts­stö­run­gen oder feh­len­dem Rich­tungs­hö­ren.

Ungleich schlim­mer sind aber die brei­ten Fol­ge­wir­kun­gen des Krank­heits­bil­des. Das ist das Pro­blem. War­um wohl will die Behör­de Tin­ni­tus nicht als Krank­heit aner­ken­nen? Die pri­mä­re Behin­de­rung ergibt sich nicht aus der Hör­schä­di­gung, son­dern dem Tin­ni­tus und sei­nen beding­ten Fol­ge­stö­run­gen, u. a. ver­bun­de­nen Belas­tungs­stö­run­gen.

Die­se Krank­heit - ein Lärm­hör­scha­den – ist im schwe­ren Fall, eine chro­ni­sche Pein des lau­ten Hörens von meist hoch­fre­quen­ten, aber manch­mal auch nie­der­fre­quen­ten ver­schie­de­nen Geräu­schen auf bei­den Ohren. Die­se Geräu­sche besit­zen kei­ne äuße­re, für ande­re Per­so­nen wahr­nehm­ba­re Quel­le. Unter­schied­li­che Aus­lö­ser kön­nen die­se Krank­heit von heu­te auf mor­gen her­bei­füh­ren. Hei­lung ist – wenn über­haupt – nur inner­halb der ers­ten Tagen mög­li­ch.

In der aus­ge­präg­tes­ten Form ist die chro­ni­sche Erkran­kung mit all sei­nen Fol­gen (phy­si­sch, psy­chi­sch, beruf­li­ch, geis­tig, sozi­al) eine recht hoch ein­zu­ord­nen­de Behin­de­rung – der Betrof­fe­ne kann nur mit per­ma­nent höchs­ter Wil­lens­an­stren­gung eine Teil­ha­be am gesell­schaft­li­chen Leben errei­chen. Es erfor­dert rund um die Uhr höchs­te psy­chi­sche Anstren­gung – ohne Pau­se – ja sogar im Schlaf – das gesam­te rest­li­che Leben. Vie­len gelingt es nicht.

Wir­kun­gen und Funk­ti­ons­be­ein­träch­ti­gun­gen eines höchst­gra­di­gen Tin­ni­tus sind für Nicht­be­trof­fe­ne kaum vor­stell­bar. Beding­te Fol­ge­wir­kun­gen und Behin­de­run­gen beein­träch­ti­gen die Lebens­qua­li­tät sowie den see­li­schen Zustand nega­tiv, haben krank­haf­te kör­per­li­che Aus­wir­kun­gen und gehen ein­her mit hohem, täg­li­chem Lei­dens­druck.

Sie haben lang­fris­tig direk­ten Ein­fluss auf Kör­per, Geist und See­le.

Hei­lung? Wenn in den ers­ten drei Tagen nach Ein­tritt nicht gesche­hen – ver­ges­st es! Alle paar Jah­re wie­der seit über 30 Jah­ren bei ihm das glei­che Spiel – hoff­nungs­voll lässt er Wie­der­ho­lungs­un­ter­su­chun­gen über sich erge­hen.

Einen wirk­li­chen Hei­lungs­weg gab es bis heu­te nicht. Noi­ser? Die teu­ren „Noi­ser“ genann­ten Geräu­sche­ma­cher sol­len es seit weni­gen Jah­ren rich­ten. So ein Unsinn. Der zusätz­li­che Krach in den Ohren durch Hör­ge­rä­te mit Rausch­funk­ti­on kann bei weni­gen Betrof­fe­nen höchs­tens lin­dern, aber NIE das Pro­blem und Wir­kun­gen besei­ti­gen.

Sein Lei­den

Bei­spiels­wei­se sind es bei ihm 70 dB Schall­druck­pe­gel auf einem und 90 dB auf dem ande­ren Ohr in unter­schied­lichs­ten Fre­quen­zen des Hoch­ton­be­reich. Das ent­spricht ver­gleichs­wei­se dem Lärm von Rasen­mä­her, Haupt­ver­kehrs­lärm, Last­wa­gen oder mitt­le­rem Press­luft­ham­mer.

Er gab mal einem Behör­den­sach­be­ar­bei­ter in sei­ner Ange­le­gen­heit zu ver­ste­hen, er möch­te doch bit­te nur einen Tag einen Press­luft­ham­mer gleich unmit­tel­bar neben sei­nem Fens­ter in Betrieb haben und dann sei­nen Job erle­di­gen. Der Ver­gleich erzeug­te wenig Ver­ständ­nis. Wie auch. Stellt ihm erst den Press­luft­ham­mer hin.

Wie schon erwähnt – Tin­ni­tus wird gewoll­ter Wei­se nicht als Krank­heit ein­ge­stuft, aber sei­ne Sym­pto­me machen in vie­ler­lei Hin­sicht und in geball­ter Form krank. Auch bei ihm war es so – bis hin zum wie­der­hol­ten lebens­be­droh­li­chen Zustand.

Wie wir sehen wer­den, haben Fol­gen die­ser Krank­heit aber auch Vor­tei­le. Er betont das. Da kommt bei ihm der unver­bes­ser­li­che Opti­mist durch – die Quel­le sei­ner Kraft.

Nun – war­um ist er zugleich Tinnitus-Heiliger, -Klon und -Per­sön­lich­keit?

Dazu drei kur­ze Epi­so­den.

Ein Tinnitus-Heiliger

Ein Hei­li­ger “Sankt Tin­ni­tau­rus”? Er betont – Nein – das sei er nun wirk­li­ch nicht. Er sei nur ein Tinnitus-Heiliger – jeden­falls, wenn wir dem Glau­ben bestimm­ter Völ­ker der Gegen­wart oder auch der Anti­ke fol­gen.

Nach die­sem Glau­ben ent­steht das Ohr­ge­räusch im Inne­ren des Kör­pers bei Den­je­ni­gen, die die Stim­men der Göt­ter hören. Die Ohr­ge­räu­sche sei­en sozu­sa­gen das Sprach­rohr des Über­na­tür­li­chen. Betrof­fe­ne emp­fin­gen ihre Weis­sa­gun­gen.

Nun – er ken­ne eini­ge Göt­ter in reli­giö­sen Wer­ken. Nur – er selbst kön­ne sich mit die­sen Reli­gio­nen nicht iden­ti­fi­zie­ren – nur mit mensch­li­chen, ethische-moralischen Nor­men.

Soll­te trotz­dem was dran sein – viel­leicht defi­niert über die moder­ne Quan­ten­phy­sik? Dann hät­te er kei­ne Behin­de­rung, son­dern eine Fas­zi­na­ti­on in sich.

Ist es eine Tür zur See­le von Men­schen, eine klang­li­ches Abbil­dung der Umwelt oder gar Rea­li­tät?

Es wäre ein Wun­der – nur er will nicht spe­ku­lie­ren. Er beob­ach­tet es wei­ter.

Ein Tinnitus-Klon

Kürz­li­ch erfuhr er es – er sei auch ein Tinnitus-Klon. Mein Gott – erst Hei­li­ger und dann noch Klon. Wie kam es dazu?

Er saß in der Tinnitus-Fachklinik zu einem Vor­trag mit ca. 50 Lei­dens­ge­fähr­ten zusam­men – alles erfolg­rei­che Inha­ber von chro­ni­schen Ohr­ge­räu­schen in schwers­ter Form. Wenn nicht erfolg­reich – wären sie nicht anwe­send.

Eigen­ar­tig, wie sich die Teil­neh­mer wäh­rend des Vor­tra­ges in Äuße­run­gen, im Ver­hal­ten, in Reak­tio­nen gli­chen. Er konn­te das real beob­ach­ten. Spä­ter bestä­tig­te der lei­ten­de Fach­arzt die­sen Ein­druck.

Die Erklä­rung erschließt sich in nach­fol­gen­dem Fakt – der den Teil­neh­mer so nach und nach bewusst wur­de. Es gibt neu­es­te wis­sen­schaft­li­che Unter­su­chun­gen für lang­jäh­ri­ge, hoch­gra­dig ver­an­lag­te Tinnitus-Patienten in Bezug auf ihre Per­sön­lich­keits­ei­gen­schaf­ten. Die spre­chen zu über 99 % (!) den Betrof­fe­nen ähn­li­che bis glei­che Per­sön­lich­keits­ei­gen­schaf­ten zu.

Die­se Eigen­schaf­ten sind in Jahr­zehn­ten gewach­sen – obwohl doch die­se Men­schen vor lan­ger Zeit auf unter­schied­li­che Art zu ihrem lau­ten „Lebens­ge­fähr­ten“ kamen – egal, ob Frau oder Mann – durch schwe­re Knall­trau­ma, schwe­re Stress­pha­sen, Gehör­sturz, Schick­sals­schlag und ande­re Din­ge.

Ja – wir alle Betrof­fe­nen haben über den Dau­men gepeilt die glei­chen Per­sön­lich­keits­ei­gen­schaf­ten. Auf ein­mal fühl­te er sich in die­sem Hau­fen Tinnitus-Gepeinigter, wie unter Geschwis­tern – nein, noch gestei­gert – wie ein Klon unter glei­chen Klo­nen.

Ja – sag­te er sich – wir alle sind ein Klon des ers­ten „Tinnitus-Urmenschen“.

Erstaun­li­ch, wie gelas­sen das all die Geschwis­ter hin­nah­men. Ja – sie wirft Nichts so schnell um. Sie ver­su­chen zuer­st die Ursa­che zu ergrün­den, wenn neben ihnen eine Bom­be platzt. Dann erst gehen sie in Deckung. Das kennt er zur Genü­ge.

Eine Tinnitus-Persönlichkeit

Eine Per­sön­lich­keit im Sin­ne eines Vor­bild zu sein, war immer sein Bestre­ben – wenn auch es ihm nicht immer gelang. Letz­te­res betont er. Nur – ent­schei­dend ist immer die Bereit­schaft, aus sei­nen Feh­lern zu ler­nen. Dann trägt sogar der Feh­ler Posi­ti­ves in sich.

Dass er auch noch eine Tinnitus-Persönlichkeit wur­de, lag wohl nicht in sei­nem Ermes­sen. Wie wir eben sahen, haben hoch­gra­dig ver­an­lag­te Tinnitus-Betroffene in Bezug auf ihre Per­sön­lich­keits­ei­gen­schaf­ten zu über 99% die glei­chen Eigen­schaf­ten. Nun – er hat die­se erkann­ten Eigen­schaf­ten sei­ner Tinnitus-Kampfgefährten mal zusam­men­ge­fasst.

Hier sei­ne Auf­zäh­lung der vor­der­grün­digs­ten Eigen­schaf­ten. Ach­tung – sie sind kein Horo­skop, son­dern real.

Die­se Eigen­schaf­ten stel­len gleich­zei­tig Segen und Fluch dar – wie man es nimmt.

Star­ke Selbst­kon­trol­le, extrem per­fek­tio­nis­ti­sch, hohes Pflicht­be­wusst­sein und Loya­li­tät, hohe Ver­ant­wor­tungs­be­reit­schaft, kön­nen NIE Nein sagen, Kopf­be­zo­gen­heit – das Gehirn arbei­tet immer unter Voll­last, Stär­ken eines Ein­zel­kämp­fers, hohes Durch­hal­te­ver­mö­gen, hoch­gra­dig wiss- und lern­be­gie­rig, immer den nächs­ten Ter­min im Auge, hohes Kon­troll­be­dürf­nis, nachts Knir­schen mit den Zäh­nen.

Und wei­ter geht es. Sie ent­wi­ckeln stän­dig höchs­te Erwar­tun­gen an sich selbst, aller­dings set­zen sie ähn­li­che Maß­stä­be auch an ande­re an. Dabei sind sie uner­bitt­li­ch und stän­dig miss­traui­sch.

Sie sind chro­ni­sche Glücks­ver­wei­ge­rer und ohne posi­ti­ve Emo­tio­nen, aber phan­ta­sie­voll und voll schöp­fe­ri­schem Wahn­sinn.

Glück oder Freu­de spü­ren sie höchs­tens im Bei­sein von Fami­li­en­an­ge­hö­ri­gen oder Freun­den. Die­se Bin­dung benö­ti­gen sie auch unbe­dingt. Ande­rer­seits sind sie sehr emp­fäng­li­ch bei Unge­rech­tig­keit.

Nega­ti­ve Emo­tio­nen, wie Angst? Das ken­nen sie, aller­dings nur die Angst um Jemand, um Fami­lie, Freun­de, Mit­men­schen oder um etwas in der Umwelt – aber nie Angst um sich selbst.

Sie wol­len immer Leis­tung brin­gen – rund um die Uhr. Ja – selbst wäh­rend der typi­schen Schlaf­stö­run­gen arbei­ten sie gedank­li­ch wei­ter.

Erfolg- und Leis­tungs­druck? Den muss Nie­mand auf sie aus­üben – das erle­di­gen sie selbst in gna­den­lo­ser Selbst­zer­flei­schung.

Sie sind kaum schreck­haft – bei Uner­war­te­tem über­le­gen sie erst, was der Grund sein kön­ne.

Sie leben per­ma­nent in Unru­he, in abso­lu­ter Dau­er­anspan­nung bzw. im Dau­er­stress am Ran­de der Selbst­zer­stö­rung. Sie kön­nen dem nicht ent­kom­men.

Die Außen­welt hat für sie eine grö­ße­re Bedeu­tung als das eige­ne Dasein. Sie kön­nen sich nicht selbst dar­stel­len – es hat kei­ne Bedeu­tung – sie neh­men sich selbst nicht so ern­st.

Ihnen ent­geht Nichts – es gibt für sie nichts Unwich­ti­ges. Sie kön­nen abso­lut Nichts so ein­fach aus­blen­den – sie wol­len und müs­sen die Welt ret­ten – aber, sie sind auch in der Lage dazu.

Sie sind ver­dammt dazu, ohne Unter­bre­chung das Leben zu emp­fan­gen. Sie haben kei­ne Zeit, der Krank­heit auf die Spur zu kom­men. Ande­res oder Ande­re sind wich­ti­ger.

Sie las­sen sich von Nichts und Nie­mand unter­wer­fen oder vor die Kar­re span­nen. Ihr Leben ist zu 100% nur einer Zwangs­vor­schrift unter­wor­fen – dem chro­ni­schen, grau­en­haf­ten Tin­ni­tus.

Ergo

Auch wenn ihm per­sön­li­ch als Tinnitus-Folge manch­mal und nicht zu sel­ten der Kopf zu plat­zen droht – wenn das schlag­ar­ti­ge, dia­lek­ti­sche Über­lau­fen droht – er sieht es posi­tiv.

Leu­te ich kann euch sagen – er ist ganz froh mit sei­nem Tinnitus-Besitz. Wer oder was hät­te ihm son­st die­se Stär­ke für’s Leben ver­lie­hen?

In einem schei­nen sich aber Tinnitus-Klone zu unter­schei­den. Es gibt Die­je­ni­gen, die mit einer Anti-Tinnitus-Strategie eini­ger­ma­ßen die Jahr­zehn­te über­le­ben – trotz­dem tag­täg­li­ch bewusst mit all dem Lei­dens­druck umge­hen. Und – es gibt die Ande­ren, die sehn­lichst auf den Tag war­ten, an dem das Licht aus­geht – dann hät­ten sie end­li­ch ihre Ruhe.

Das war es schon. Das war sein Outing. Dan­ke an ihn. Viel­leicht macht sein Outing das Tin­ni­tus emp­fäng­li­cher für Men­schen, die viel­leicht auch das Pro­blem besit­zen oder in Eurem Umfeld leben und sie erlei­den müs­sen.

Nur ver­ges­sen wir nicht – die vie­len mög­li­chen Tinnitus-Auswirkungen für höchst­gra­dig Betrof­fe­ne sind ungleich viel­fäl­ti­ger. Es ist erschre­ckend, was die Gesamt­be­hin­de­rung bewirkt – und was die Welt da drau­ßen kaum bewusst wahr­nimmt.

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Ein Gedanke zu „Tinnitus-Outing

  1. Wann Tin­ni­tus in mein Bewusst­sein trat, weiß ich nicht mehr. Der Auf­schluss der Deut­schen Tinnitus-Liga in den frü­hen neun­zi­ger Jah­ren war für mich nicht ziel­füh­rend. Kürz­li­ch ent­deck­te ich eine Stoff­samm­lung zu Queck­sil­ber­ver­gif­tung. Die meis­ten Sym­pto­me tre­ten bei mir in Erschei­nung, weil auch mehr­fa­che “Aus­lei­tun­gen” kei­nen wirk­li­chen Erfolg erziel­ten. Ein Punkt in die­sem Symptom-Katalog lau­tet:
    “Tin­ni­tus und Dreh­schwin­del (Schwermetall-Ablagerung an den Gan­gli­en)”,
    Quel­le: http://www.healthygimmicks.de/krankheiten/quecksilber-vergiftung,
    “Tin­ni­tus - der Weg zur Ruhe im Ohr”, Taschen­buch, 1. April 2000, von Jan W. Moe­stel (Autor), ist noch gebraucht erhält­li­ch unter Ama­zon.
    Ein Leser schreibt: “Das ein­zi­ge Buch, wel­ches die The­ma­tik umfas­send von der ganz­heit­li­chen und natur­heil­kund­li­chen Sei­te betrach­tet und sowohl für Fach­leu­te und auch Betrof­fe­ne dar­stellt.”

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